Schweizer Schule Alexandrien, Ägypten

February 11, 2018 — No comments

Schweizer Schule Alexandrien

Die Schweizer Schule Alexandrien stand lange Jahre im Mittelpunkt des Schweizerischen Gesellschaftslebens der grossen Handelsstadt Ägypten’s am Mittelmeer. Sie gab den Schweizern eine Identität im kolonialen Ägypten und den Schülern vermittelte sie einen Hauch von ‘Schweizer Geist’.

Die Schule wurde 1921 gegründet und der Kanton Waadt übernahm das Patronat. Dies hiess auch, dass die Schule auf Französisch geführt wurde und das Schulmaterial und der Lehrplan des Kantons Waadt übernommen wurden. Die deutschsprachigen Kinder mussten sich also schnell mit der französischen Sprache vertraut machen. Es wurden 9 Klassen geführt, wobei je zwei oder drei Klassen in einem Raum unterrichtet wurden. Die Schule umfasste knapp 100 Schüler und Lehrer. Das Lehrpersonal stammte, mit Ausnahme des syrischen Arabischlehrers Mr. Khouri, meistens aus der Schweiz.

Die Schweizer Schule Alexandrien erlebte ihren Höhepunkt in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als man nicht beliebig reisen konnte.

Die Schüler erhielten jeweils zu Quartalsende ein Zeugnis, das von den Eltern unterschrieben werden musste. Ich wusste meines öfters verschwinden zu lassen. Allerdings gelang mir dies meist nur für kurze Zeit, da meine drei Brüder die gleiche Schule besuchten. Nach einer Rückkehr in die Schweiz schafften die meisten problemlos den schulischen Anschluss. Doch einmal – viele Jahre später – gab mir ein Professor an der Uni in Bern, mit dem ich immer auf Schweizerdeutsch gesprochen hatte, meine schriftliche Arbeit mit den Worten zurück: «Ich wusste nicht, dass Sie französischer Muttersprache sind.»

Klassenfoto, Pfadi-Hütte und keine Schuluniformen

Schweizerschule in Alexandrien

Jedes Jahr wurde ein Schulfoto im Gärtchen des Kindergartens gemacht. Im Hintergrund sind die beiden Schuldiener, Farrah und Abdu, zu sehen, die jeweils auch die Schulglocke zu Beginn jeder Schulstunde schlugen. Vor meiner Zeit wurde morgens jeweils auch die Schweizer Fahne hochgezogen. Im sandstaubigen Schulhof stand auch die Pfadi-hütte – der Schweizer Pfarrer war der Pfadi-Führer. Entgegen der Gepflogenheit damals in Alexandrien trugen wir Schüler keine Schuluniform. Im Lycée Français, das gleich nebenan lag, musste hingegen eine Uniform getragen werden.

Die dreimonatigen Ferien während des heissen afrikanischen Sommers erlaubten vielen Familien nach dem Krieg eine Reise in die Schweiz oder aber ans Meer zu unternehmen. Unsere Familie war in dieser Zeit oft im Berner Oberland und so lernten wir die Heimat kennen und schätzen.

Besuch von König Farouk beim Schweizer Kegeln

Schweizerschule in AlexandrienDer Schweizer Schule waren auch die Räumlichkeiten des örtlichen Schweizer Clubs angeschlossen. Dazu gehörten ein grosser Festsaal mit Bühne, Kegelbahnen, Bar, Bibliothek und anderes mehr. Der ägyptische König Farouk – er mochte die Schweizer Kolonie – kam öfters unangemeldet zum Kegelabend und freute sich über ein ‘Babeli’ (Anm. d. Red. «alle Kegel sind umgefallen»).

Als Kinder erlebten wir in dieser Schule eine unbeschwerte Zeit und waren vom politischen Geschehen meist abgeschottet. Ein jähes Ende erfolgte jedoch für viele Ausländer (darunter zahlreiche Schweizer) in den späten 1950er Jahren im Zuge der Nationalisierung der ‘fremden Güter’. Viele Ausländer wurden dabei zur Auswanderung gezwungen. 1970 schloss die Schule ihre Pforten leider für immer.

Von Alexandrien nach Australien via Bern, Mexiko, Korea und Indonesien 

Nach der Schule in Alexandrien ging es nach Bern, wo ich das Gymnasium besuchte und an der Universität Rechtswissenschaften studierte. Danach führten mich meine ersten Jobs nach Mexiko, Korea und Indonesien bevor ich mich in Australien als selbständiger Wirtschaftsjurist niederliess. Meistens reise ich zweimal jährlich in die Schweiz, um an den Sitzungen des Auslandschweizerrats teilzunehmen.

Mit einigen ehemaligen Kameraden habe ich heute in der Schweiz wieder Kontakt und für 2018 plane ich eine Zusammenkunft zu organisieren.»

Anmerkung: Laut Auslandschweizer-Organisation werden heute weltweit 17 Schweizer Schulen im Ausland betreut, die rund 8’000 Kindern Unterricht nach schweizerischen Grundsätzen vermitteln.  Im Dezember 2017 hat der Bundesrat die neue Schweizerschule in Peking provisorisch anerkannt. Somit sind es nun 18 anerkannte Schweizerschulen im Ausland. Für mehr Informationen: http://educationsuisse.ch  – ed.

Was für eine interessante und vielfältige Schul- und Lehrzeit!  Leave a comment below in Deutsch oder Englisch, Französisch, oder gar in Arabisch für Beat hier.  

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Switzerland travel enthusiast. Cat lover, bicyclist and classical music fan. I prefer walking over running and enjoy a good Swiss card game of Jass with friends.  More about Silvia and Swiss Wanderlust »

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Additional Information

Beat Knoblauch erzählt in seinem Artikel über die abwechslungsreiche Schulzeit an der Schweizerschule in Alexandrien, Ägypten. Untenstehendes Foto zeigt den Autor zirka 8 oder 9 jährig, stehend, zwischen Madame Guisan und Beat’s Vater, Hans Georg Knoblauch, im Schützenclub in Alexandrien, während eines Besuches von General Guisan, begleitet von seiner Gattin. Heute lebt und arbeitet Beat Knoblauch als selbständiger Wirtschaftsjurist in Australien.

Photos aus Privatbesitz der Familie Knoblauch

Dieser Artikel wurde erstmals im Bulletin https://educationsuisse.ch/ im Dezember 2017 publiziert.

Schweizerschule in Alexandrien

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