Mehl und Brot, Macht und Geld im alten Zürich – eine Buchempfehlung

June 26, 2017 — No comments

Mehl und Brot, Macht und Geld im alten Zürich – Eine historische Kulturgeschichte

Tadellos recherchiert und faszinierend eingebettet im historischen Hintergrund der politischen, kulturellen und religiösen Entwicklung Europas lässt der Historiker Markus Brühlmeier die Entwicklung der Zunftherrschaft der Stadt Zürich von 1336 bis 1798 am Beispiel der unglaublich vielschichtigen Thematik von Mehl und Brot sehr lebendig für uns erstehen.

Brot war das wichtigste Lebensmittel der Zeit und berührte jede soziale Schicht, die tägliche Angelegenheiten des praktischen Lebens und auch die politische, religiöse, ja philosophisch/spirituelle Denk- und Handlungsweise.

Während der kulturellen Blütezeit im Zürich des 18. Jahrhunderts zeichnet der Autor das Leben des schillernden Zürcher Bäcker Gesellen Hans Jacob Irminger nach. Irminger steigt mit unglaublichen ‘twist and turns’ bis zum Zunftmeister auf und wird später Mitglied im Kleinen Rat der Stadt Zürich, welches ihm – und uns – hautnah Einsicht in die damaligen Regierungsgeschäfte vermittelt.

Auf jeder Seite erfahren wir fesselnde Tatsachen – bewegend und amüsant, schockierend und lustig –  welche uns unterhalten, zum Nachdenken anregen und uns die Augen zu unserer eigenen Kuturgeschichte öffnen.

Die Lektüre von Mehl und Brot lässt uns sehr bald die tiefgehenden Zusammenhänge der sozialen Ordnung zwischen Bürgerschaft und Regierung von damals verstehen – weit über die Funktion einer Handwerksvereinigung hinaus.

Bereits seit 1490 war die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Zürich (im Jahr 1780 waren es rund 10 500 Einwohner) als Mitglieder einer Zunft sowie deren gesellschaftlichem Kern, der Trinkstube, eingeordnet. Vom Bürgermeister zum Rentner, vom Geistlichen bis zu den alleinstehenden Frauen, welche in der Zunft zum Weggen die grösste Mitgliedergruppe bildeten!

Die mit 320 farbigen Abbildungen reich illustrierte Kulturgeschichte des Zürcher Brotes baut auf dem reichen Archiv der Zunft zum Weggen auf, das für diese Publikation erstmals in der ganzen Fülle ausgewertet wurde. Das Buch schliesst mit dem Übergang des Bäcker- und Müllergewerbes in die Moderne. Eine faszinierende Lektüre für Geschichts- und Kultur-interessierte Leser und Leserinnen, und ein Vergangenheitszeugnis, das uns auch heute noch berührt.

Zum Autor – Markus Brühlmeier

Autor Markus Brülhmeiergeb. 1960, Markus Brühlmeier studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Seit zwanzig Jahren ist er als freischaffender Historiker tätig und hat mehrere Publikationen zur Zürcher Geschichte verfasst, darunter den ersten Teil des Werks über «Das Zürcher Zunftwesen» (1336–1798). Zudem realisierte er verschiedene Ausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen.

Zum Chronos Verlag, Zürich

1985 gründeten zwei Historiker den «Chronos Verlag für Geschichte». Das erste veröffentlichte Buch war die Dissertation eines Studienkollegen und in den nächsten Jahren folgten weitere Arbeiten aus dem universitären Umfeld.

Seit den 1990er Jahren hat sich das Verlagsprofil deutlich verändert. Heute verlegt Chronos neben Fachbüchern auch Sachbücher für ein breites Publikum, die anfänglich dominierende Wirtschafts- und Sozialgeschichte ergänzen heute kulturgeschichtliche und aktuelle politische Themen. Geblieben ist der Anspruch, wissenschaftlich fundierte Werke dem Publikum zugänglich zu machen.
Sechs Personen arbeiten in fester Anstellung für den sympathischen Chronos Verlag im Zürcher Seefeld mit einem weiteren Netz an freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Bereichen Korrektorat und Grafik. http://www.chronos-verlag.ch/

Chronos Team

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Zusätzliche Informationen

Buchtitelbild

Photos: Chronos Verlag, Grüninger Mühlen und Wikimedia Commons

Buchbestellungen bei Chronos Buchverlag, Zürich

Markus Brühlmeier

Mehl und Brot, Macht und Geld im alten Zürich

Zur Kulturgeschichte des Brotes. Herausgegeben von der Zunft zum Weggen

2. Auflage 2017

2013. 2. Auflage 2017. 400 S., 320 Farbabb. Geb. CHF 68.00 / EUR 62.00
ISBN 978-3-0340-0967-6

http://www.chronos-verlag.ch/

Mittelalterliche Backstube
Mittelalterliche Brote

Brotentwicklung durch die Jahrhunderte

Flache Fladen Brote im Mittelalter wurden als Teller benutzt, und anschließend, wenn sie sich mit Sauce vollgesogen hatten, ebenfalls gegessen.

 Text und Foto nachfolgend: Grüninger Mühlen

Schweizer BüürliDie ältesten schriftlichen Zeugnisse eines Kleinbrotes mit Namen Bürli sind aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im Schweizerdeutschen Wörterbuch findet man ein Zitat aus dem Jahr 1723 aus dem Sankt Gallerland: „Fast wöchentlich wird sogenanntes „Pfilenbrod“ gebacken, und in den Wirtshäusern werden „Bürle“ vom besten Ruchmehl und Fladen zum Wein gestellt – Alles Zeichen einer herrlichen Zeit.“ Das Bürli als Kleingebäck aus dunklem Weizenmehl war also schon zu dieser Zeit ein Luxusbrot, das sich für den Konsum im Wirtshaus eignete. Die Ausdehnung der Kleinbrot-Herstellung (Bürli) in der Schweiz hatte ihren Anfang in Sankt Gallen (Ostschweiz) und sich von dort aus gegen Westen ausgebreitet. Das Bürli wurde nie als einzelnes Brötchen, sondern immer als 2er Bürli oder 4er Bürli hergestellt. www.grüningermühlen.ch

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